C h i n a N e w s #14
ChangChun, den 12.01.2003

(Ein Link zu den Ausgaben 1 bis 13 befindet sich am Ende des Dokumentes)


(Drucker freundliche Version)


Den Weihnachtsurlaub habe ich gerade gut überstanden gehabt und da war dann auch schon am ersten Schultag die ganze Erholung für die Katz: Jon, der Direktor, ist nach Australien zurück gegangen und unsere Kollegin Ann ist spurlos verschwunden. Sie wollte für 4 Tage mit ihrem Freund nach Shanghai fliegen und pünktlich zum Semester-Abschluß-Test wieder zurück sein. Das war am Sonntag, den 04.01.2003. Seit dem hat sie niemand mehr gesehen oder ein Lebenszeichen von Ihr oder ihrem Freund gehört... Ich bin schon zwei Mal zur Ihr nach Hause gefahren um zu sehen ob sie vielleicht dort ist, oder ob ihr Mitbewohner was weiss.

Nichts. In der Schule wo ihr Freund unterrichtet vermisst man Ihn auch schon und keiner weiss wo er ist! Leider ist Anns Handy ein paar Tage vor Weihnachten kaputt gegangen, so das sie im Moment keins hat. Dito ihr Freund. Neben der Sorge um Sie mussten Mark und ich dann spontan ihre und Jons Stunden mit unterrichten. Zum Glück waren es nur fünf Tage bis zum Anfang der Winterferien, so das das Unterrichten irgendwie hinzubekommen war. Die Sorge um Ann bleibt...

Bevor ich morgen für ein paar Tage nach Harbin fahre, habe ich also noch die erste ChinaNews 2003 zusammengestellt.

Wann es die nächste Ausgabe geben wird steht noch in den Sternen, da ich nach Harbin mich auch schon bald Richtung Beijing auf machen werde um dort Annette abzuholen und dann für 3-4 Wochen mit ihr China unsicher machen werde. Da werdet ihr euch vermutlich vorübergehend eine andere Wochenzeitung zur Brust nehmen müssen.

Aber jetzt lest erst ein Mal den dritten Teil von „Frauen des Volkes“ und was es sonst noch so aus China zu berichten gab...


Daniel


Frauen des Volkes, Teil 3:
„Trägerin der roten Fahne“


Dalian
Hong Kong des Nord-Ostens


Movie-Room
oder: Das Ende einer durchgemachten Nacht


Neben diesen aktuellen Themen gibt es natürlich wieder die bekannten Rubriken:


Chinesisch für Jedermann

Kochen wie Gott in China

Der Mitarbeiter der Woche

Aktueller ChangChun Wetterbericht

Das Fundstück der Woche

Der Lehrplan der vergangen Woche

Der Leserbrief der Woche



Frauen des Volkes, Teil 3:
„Trägerin der roten Fahne“


(Eis-Fest in ChangChun)

Mu Rongxiao: eine renommierte Ärztin

Der Anblick eines Patienten, dessen Zustand außer Lebensgefahr gebracht werden konnte, vollständig genest und das Krankenhaus verlassen kann, macht Mu Rongxiao unbeschreiblich glücklich. Redet die Delegierte des 16. Parteitags und stellvertretende Leiterin der Mutter-Kind-Klinik der Provinz Gansu redet über ihren Beruf, so scheint sie emotional stark bewegt und stolz erfüllt.

Seit 32 Jahren arbeitet Mu Rongxiao nicht nur als normale Ärztin, sondern gleichzeitig auch als Leiterin der Abteilung für Gynäkologie und stellvertretende Klinikleiterin. Nimmt sie einmal an einer Schulung teil oder geht sie auf Dienstreise, so schaut sie nach ihrer Rückkehr sofort bei den Patienten und insbesondere bei den schwerkranken Patienten, die eine Operation hinter sich haben, vorbei, um sich über deren Gesundheitszustand zu informieren und Untersuchungen durchzuführen. Die Kollegen sagen über sie, dass ihr ihre Patienten sehr am Herzen liegen, sie Tag und Nacht in den Krankenzimmern anzutreffen ist und sie auf Wunsch der Patienten sofort zur Stelle ist.



Mu Rongxiao erklärt oft, dass man als qualifizierte Ärztin über hervorragendes medizinisches Können und Fachwissen verfügen müsse. Einmal suchte sie eine an einem Gebärmuttertumor - einer häufig auftretenden Krankheit - erkrankte Patientin, die gleichzeitig unter Blutarmut litt, aufgrund ihres ausgezeichneten Rufs auf. Diese Patienten war noch nicht lange Zeit verheiratet, aber aufgrund ihrer starken Schmerzen baten die Patienten selbst und ihre Angehörigen um die Entfernung der Gebärmutter. Mu Rongxiao studierte deren Krankheitsverlauf sehr genau und entwarf nach Beratung mit einem Experten einen detaillierten Operationsplan. Sie übernahm bei dieser Operation selbst die Leitung und konnte nach Entfernen von 78 Muskeltumoren schließlich die Gebärmutter retten. Drei Jahre nach der Operation kann sich diese Patientin auf eine Tochter freuen.

Mu Rongxiao sowie 25 ihrer Arbeitskollegen unterbreiteten in der Klinik einen Vorschlag, nach dem im Krankenhaus ein System "ohne rote Umschläge"*** eingeführt werden sollte. Für einen aus Longnan stammenden Patienten, der aufgrund einer familiären Notlage das Krankenhausgeld nicht aufbringen konnte, organisierte Mu Rongxiao unter Mithilfe ihrer Arbeitskollegen eine Geld- und Sachspende. Der Patient erklärte bewegt, dass er bislang lediglich davon gehört habe, dass Patienten Ärzten "rote Umschläge" schenken, aber es für ihn völlig neu gewesen sei, dass Ärzte ihren Patienten Geld geben.

Von der ersten Operation bis zum heutigen Tag führte Mu Rongxiao mehr als 10.000 Operationen durch und konnte somit über 5.000 schwerverletzten Patienten das Leben retten. Mu Rongxiao hat sich um zahlreiche Titel und Auszeichnungen verdient gemacht, wie z.B. den Titel "Trägerin der roten Fahne" und die landesweite Arbeitsauszeichnung.


(Wer diese Person richtig erraten kann, bekommt eine Postkarte...)

***iin den “roten Umschläge“ befindet sich eine „kleine Aufmerksamkeit“ der Patienten für die Ärzte, damit sie entweder bevorzugt oder überhaupt von ihnen behandelt werden. Ann, meine Kollegin, hat zwei mal einen roten Umschlag mit jeweils 1.500 Yuan einem Arzt gegeben, damit er ihren schwer kranken Vater operiert. 1.500 Yuan entspricht -je nach Region- einem ein- bis dreifachem Monatsgehalt.


Liang Xaioping: Der olympische Traum einer Meistertrainerin

Die 42-jährige Liang Xiaoping war selbst Eisschnelläuferin. Sie hat mehrmals die Landesmeisterschaften gewonnen und trainiert nun Eisschnelläufer. Ihre Mannschaft hat 95 Meisterschaften im Land und 4 Meisterschaften in Asien gewonnen. In China gibt es acht Rekorde von ihren Zöglingen. Man kann ohne Übertreibung sagen, daß sie eine Trainerin ist, die es versteht, Spitzensportler heranzuziehen.

Liang Xiaoping sagte, obwohl sie und ihre Sportler mehrere Meisterschaften gewonnen haben, sei doch einer ihrer Träume noch nicht wahr geworden, nämlich der Traum von Olympiade.



Um diesen heiligen und reinen Traum wahr werden zu lassen, hat Liang Xiaoping ihre Arbeit nie vernachlässigt. Seit vielen Jahren hat sie weder Pager noch Handy, damit sie nicht von der Außenwelt abgelenkt wird. Sie ist bekannt für ihre strengen Trainingsmethoden. Bevor das Trainingsziel nicht erreicht ist, darf niemand den Sportplatz verlassen. Bei einem dieser Trainings war Liu Guanghui, der Rekordhalter beim 5.000 und 10.000 m Eisschnellauf, so erschöpft, daß seine Beine zitterten. Er bat die Trainerin, daß er am nächsten Tag die Aufgabe nachholen dürfe. Liang Xiaoping sage aber nein. Liu Guanghui weinte auf dem Eis. Nach dem Training stütze und tröstete ihn Liang Xiaoping: „Wenn das ein richtiger Wettkampf wäre, könnten wir das doch auch nicht auf morgen verschieben. Sich selbst überwinden bedeutet Sieg!“

Als Frau ist Liang Xiaoping stets unterwegs und selten zuhause. Ihr dreizehnjähriger Sohn schimpfte: „Meine Mutter denkt nur an die Mannschaft. In den 13 Jahren meines Lebens habe ich nur selten etwas gegessen, daß meine Mutter gekocht hat.“

Liang Xiaoping und ihr Mann sind beides Sportler. Nach ihrer Eislaufkarriere arbeiten sie bei der gleichen Einheit. Der Mann von Liang Xiaoping sagt: „Zuhause bin ich sowohl Vater als auch Mutter. Es ist für eine Frau nicht einfach, Karriere zu machen. Ich unterstütze sie, damit ihr Traum wahr wird.“



Ji Yanli: eine hochbegabte Wissenschaftlerin


Die zur Delegierten des 16. Parteitags gewählte Ji Yanli, die als einzige auch dem Generalstab angehört, wurde erst vor kurzem zur Schlüsselperson der Militärangehörigen der Militärhochschule für Fernmeldewesen in Wuhan ernannt.

Seit über 20 Jahren beschäftigt sich Ji Yanli bereits ununterbrochen mit dem Unterrichten auf dem Gebiet der nationalen Verteidigung sowie der wissenschaftlichen Forschungsarbeit und erreichte in diesen Bereichen außerordentliche Leistungen.

1996 sollten Regimentskommandeure und -unterkommandeure des Militärfernmelderegiments an der Militärhochschule für Fernmeldewesen ausgebildet werden, so dass ihr Vorgesetzter infolgedessen beschloss, den neuen Studiengang "Digitalnetz in der Berufswelt" einzurichten. Diese Aufgabe fiel genau in das Forschungsgebiet von Ji Yanli. Während der gesamten Zeit der Sommerferien las Ji Yanli das über 2.000.000 Schriftzeichen umfassendes Dokumentenmaterial, verfasste daraufhin gestalterisches und bildhaftes Lehrmaterial in duomedialer Form und bereitete eine hervorragende Unterrichtsvorlage vor. Der über zweistündige Unterricht begeisterte die Kommandeure und Unterkommandeure und bestätigte Ji Yanli in ihrer Arbeit.



Zur Zeit des Wandels im Bereich der militärischen Fernmeldetechnik vom Morsen zur Digitalisierung wurde die Aufgabe des Abfassens von Lehrmaterial auf dem Gebiet der digitalen Fernmeldetechnik an der Militärhochschule für Fernmeldewesen an Ji Yanli übergeben. Nach Übernahme dieser Aufgabe wurden Büro und Labor ihr gesamter Lebensinhalt. Einige Kollegen ermutigten sie dazu, ihr äußerst nützliches Lehrbuch zu vermarkten. Doch Ji Yanli erschien diese Aufgabe als schwer. Trotz allem wurde dieses Lehrmaterial zu einem leicht verständlichen Lehrbuch redaktionell überarbeitet, so dass den Militärangehörigen ein leicht verständliches wissenschaftliches Lehrwerk an die Hand gegeben wurde.

Die Informationstechnologie unter Anwendung im militärischen Bereich ist ein weiterer theoretischer Forschungsbereich von Ji Yanli, der ihr von ihrem Vorgesetzten auferlegt wurde. Nach Herausgabe einer Monographie auf diesem Gebiet war ihr die Anerkennung des gesamten Korps und der Kollegen gewiss. Doch sie beschränkte sich nicht nur auf dieses Gebiet. Als wissenschaftliche Leiterin verwendete sie fünf Jahre Zeit darauf, mit ihren Kollegen intensive Forschung zu betreiben. Schlussendlich baute sie die militärische Informationstechnologiewissenschaft als hauptsächlichen Wissenschaftszweig und die Gebiete Informationsübermittlung, Informationsverarbeitung und Informationssicherheit als nebensächlichen Wissenschaftszweig auf.



Li Shuming -- Zugewanderte Straßenkehrerin in Guangdong

Li Shuming, eine Abgeordnete zum 9. Parteitag der KPCh der Provinz Guangdong, ist eine zugewanderte 35jährige Straßenkehrerin, die 1984 in die Provinz kam.

Inzwischen erhielt sie mehrere Auszeichnungen wie „Guangzhous Top 10 Modell für zugewanderte junge Arbeiter“, „Chinas Top 10 Modell für junge zugewanderte Arbeiter“ und „Modellarbeiterin“ auf Provinz- und Provinzhauptstadtsebene“. Über die Tatsache sprechend, dass sie am Provinzparteitag der KPCh teilgenommen hatte, sagte sie, es sei eine Gelegenheit, die von der Partei und der Bevölkerung angeboten worden sei, um den Wünschen der zugewanderten Parteimitglieder eine Stimme zu verleihen.





Dalian
Hong Kong des Nord-Ostens


Nachdem die idiotische Weihnachtsurlaubsplanerei der Schule dann endlich doch noch etwas Sinn gemacht hat, haben Mark und ich beschlossen unsere Freunde in Dalian zu besuchen. Mit dem Schlafwagen war es eine Fahrt von 11 Std. und wir sind Dienstag morgens angekommen. Da das Wasser bei uns schon seit zwei Tagen wieder abgestellt war hatten wir uns unter anderem schon auf eine schöne Dusch vor Ort gefreut...



Kaum angekommen ging auch schon das von Flowers, Bubbles, Kenson & Skye zusammengestellte Programm los. Als Nummer eins stand das Studentenwohnheim von Flowers & Bubbles auf dem Programm. Welch eine Überraschung, sie haben zu zweit ein eigenes Zimmer mit Blick aufs Meer (vorausgesetzt man klettert zum Dachfenster hinaus, was im Sommer kein Problem ist). Die Uni und die das ganze Viertel sah mehr wie New York, oder noch besser Georgetown, Washington, DC aus, als eine Millionenstadt in China!



Das Naturkundemuseum, vor zwei Jahren fertiggestellt war auch entgegen allem vorhergesehenem nicht nur modern von außen, sondern auch von innen. Der nächste Tagesordnungspunkt war Mittagessen --> HotPot der "gourme" Klasse. Als nächstes Stand Kensons Wohnung auf dem Programm (wo wir auch wohnten). Eine andere Uni, ein anderer Stadtteil und eine große Überraschung. Kenson wohnt mit 1 1/2 Mitbewohnern auf ca. 20qm mit Klo ohne fließend Wasser & Dusche und dem entsprechendem Geruch von Ammonium. Aber: super Lage! In einer Red-Brick-Stone-Siedlung der 40-50 Jahre die noch nicht abgerissen wurde. Ein Eldorado zum fotografieren!



Die nächsten zwei Tage bestanden dann eigentlich nur noch aus Rumlaufen, Essen, Essen, Essen, Rumlaufen ... Alles in allem ist Dalian vermutlich ein der, wenn nicht sogar die sauberste Stadt Chinas! Jede Menge angelegter öffentlicher Plätze, incl. dem größten Platz der Welt: Er ist fast doppelt so groß wie der Platz des Himmlischen Friedens in Beijing!



Aber das wohl beeindruckendste Erlebnis war vermutlich mal wieder "ein Besuch im Badehaus". Da Kensons lokales Badehaus über Neujahr geschlossen war mussten wir in die Delux-Variante umsatteln: 15 Yuan für einfaches Duschen (Kenson hat etra sichergestellt das wir keine Massage ober "Abrubbel-Service" wollen). Beim Betreten der Umkleide dachte ich schon die ganze Zeit ich höre doch Frauenstimmen aus der Dusche, aber war dann doch zu beschäftigt damit mich mit beschlagener Brille zu meinem Schließfach durchzufinden.



Da wir vermutlich der erste "Langnasenbesuch" in diesem Badehaus waren, gab es wieder die entsprechenden, neugierigen Blicke... Kaum in der Dusche angekommen (mit verstellbarem Duschkopf und Haarwaschmittel for free!) hat sich auch das Rätsel der Frauenstimmen aufgeklärt: Das erste Badehaus mit TV-Zuspielung! Und ich hatte meine Kontaktlinsen nicht dabei! So'n Mist, hätte doch zu gerne beim Duschen eine nette Militärparade, chin. Soap-Opera oder einfach nur ein paar flimmernde Bilder gesehen...



Ach, da war doch noch ein High-Light besonderer Art: Silvester-Shoppen bei Carrefour, der franz. Metro-Konkurenz. Das war mehr wie Weihnachten als Neujahr: franz. Croissants, Baguette, und und und... direkt neben halben Schweineköfen, Hühnerfüßen und und und!



Silvester haben wir zusammen lecker gekocht. Ich war mal wieder beeindruckt mit wie wenig Platz, Geräten und vor allem Zutaten man so viele unterschiedliche Dinge kochen kann. Es gab gedämpften Fisch, Hühnerschenkel in CocaCola-MSM-Soyasauce, Shrimp-Omelette, eine kantonesische Suppe, Brokkoli mit Rindfleisch, Reis en mass und als Nachtisch einen Geburtstagskuchen mit Feuerwerk über Dalian.




Movie-Room
oder: Das Ende einer durchgemachten Nacht


Nach dem ich mich anfänglich über mangelndes Nachtleben beklagt habe, muss ich nun zugegen, das es doch sicherlich auch zu einem Großteil an meinem "Unwissen" lag. Sicherlich lag es auch daran, das die ehemaligen Office-Ladies mit den ich meistens was unternehme eher der braven, sittsamen Fraktion zuzuordnen sind. Entweder weil sie verheiratet sind, oder einfach nicht die "Kneipen-Typen" sind...


(Der „Shrine“ der „That This Bar“)

Egal, gestern war ich mit David verabredet, nachdem ich vorher jedes Mal absagen musste oder er, haben wir es dann doch noch geschaft mal auszugehen. David habe ich über Janine kennen gelernt. Er ist täglich mehrere Stunden in der Mukki-Bude und pumpt Gewichte. Sieht natürlich auch dem entsprechend aus... Ist auch total von Multivitaminsäften und Aufbaupräparaten besessen, aber trotzdem sehr nett & spricht gutes English, da er gelegentlich Englischunterricht gibt.

Ich habe dann noch Dasha & Nastia (die Russinnen) angehauen, da sie die einzigen sind die sonst in meinem Bekanntenkreis ausgehen. David wollte auch noch zwei Freunde mitbringen die chinesisch studieren. Mark hatte ihn gefragt, ob er jemandem weiß der ihm privaten chin. Unterricht geben könnte. Da hat David an die beiden gedacht. Mark hatte allerdings schon eine Verabredung für den Abend mit zwei Polizisten aus seiner Mukki-Bude. Mr. Ugly war dann anfänglich auch noch mit von der Partie. Er hat in der Bar wo wir uns getroffen haben bis vor kurzem jeden Abend gesungen & Gitarre gespielt. Er spricht zwar kein Englisch, ist aber irgendwie sehr lustig... Sein chinesischer Name heißt übrigens "hässlich", also hat er es einfach 1:1 übersetzt! Cool!



Wir haben uns gegen 21:00 Uhr in der "That This Bar" getroffen. Von dort sind wir dann ins May Flower gegangen, wo Dasha um Mitternacht mit ihrem Freund verabredet war. Für Davids chinesischen Bekannten, Barbara (wie kann man sich nur so einen "englischen" Namen aussuchen???) und Dolphin (das finde ich dann schon viel besser) war es das erste Mal, daß sie in einer Bar / Disco waren. Dem entsprechend groß war ihre Begeisterung. Gegen zwei Uhr oder so, als die Musik unerträglich wurde, wollte ich dann nach Hause gehen. Es war unser letzter Schultag und "mussten" mittags mit den Schülern -als Abschluss für das Semester- Fußball spielen, ich hatte mittlerweile schon TIERISCHEN Muskelkater und war einfach müde!



Aber nein, David, Barbara (deren vorheriger englische Name übrigens Betsy war; da mußte ich dann permanent an Ludgers Hund denken) & Dolphin wollten unbedingt noch wo anders hin. Es war auch ihr letzter Tag in der Uni. Jetzt haben alle chin. Studenten ca. 50 Tage Urlaub. OK, aber dann zumindest in eine chin. Disco, keinen Ausländer-Treff!

Also sind wir ins Lucky Star Hotel gegangen, wo die Lucky Seven Disco ist. Chin. pseudo Techno, Pop und Tizziano. Nebelmaschienen, ein DJ der permanent Quatscht oder mitsingt, Männer mit nackten Oberkörpern, etc. Eigentlich überhaupt nicht mein Stil, aber zumindest mal ein paar chin. die auch gerne weggehen! Der einzige Unterschied zwischen einer West-Disco und hier ist wohl, das man sich selbst in so einem Laden in die Ecke setzen kann und 4 Gewinnt oder Würfelspiele spielt. Da tobt der Bär und Leute spielen oder quatschen mit ihrem Handy...




Zwischenzeitlich hat sich dann auch sichtbar herausgestellt, das Dolphin jetzt wohl Davids Freundin ist. Es gibt also doch schon die ersten Chinesen die was von ein ander wollen und sich trauen es in der Öffentlichkeit zu zeigen! War mit bis jetzt noch ziemlich unbekannt. Die Beziehung sieht auch nicht so aus, als ob sie in den nächsten Wochen heiraten wollen, Kinder kriegen, etc. Sieht mehr so aus wie: Mal sehen, glaube wir mögen uns im Moment, aber wenn nicht, war es zumindest ein Versuch wert. Das sind mit Sicherheit nicht die treuen Bürger die sich Beijing vorstellt, aber es ist mit Sicherheit die Richtung in die sie sich entwickeln werden. Parteibuch hin oder her!



Als ich dann gegen halb vier anmerkte, dass ich "etwas" müde sei und gehen wolle, meinten alle: "Nee, nee, nee! Let's go to a Movie-Room". Wow, jetzt wurde ich wieder neugierig! Movie-Room? Das ist vermutlich das selbe von dem mir Mark mal erzählt hatte. Wo die Pärchen immer hingehen "um sich einen Film anzusehen". Barbara (die mir zwischenzeitlich erzählt hat, dass sie am liebsten Namen mit "B" hat...) meinte, sie könnte noch nicht nach Hause und hätte keine Lust alleine in TV zu glotzen, während David & Dolphin im Nebenzimmer sind... OK, kann ich verstehen und außerdem war ich ja doch sehr neugierig wie die chinesische Variante der japanischen Love-Hotels aussieht... Leider habe ich die in Japan nie von innen gesehen, also: "Let's go".



Auf dem Weg dorthin haben wir gegen 4 Uhr erst mal ein paar gegrillte Spießchen, Hühnerschenkel und Seidenraupenlarven gegessen (ich habe die Larven großzügig den Damen überlassen). Dann ging es von Movie-Hotel zu Movie-Hotel. Entweder ausgebucht, zu teuer oder ganz geschlossen.

Um Fünf haben wir dann einen Kompromiss gefunden: 30 Yuan je Zimmer bis 9 Uhr morgens. Es war schon ziemlich komisch: Typen die auf Feldbetten auf dem Flur schlafen (das waren vermutl. ein paar der Angestellten), hier eine Wand mit Videorekordern für die einzelnen Kabinen. F4 Poster überall (die "hipste" chin. Band zur Zeit mit dickem Pepsi-Cola Werbevertrag) und abgetakelte Zimmer mit großem Fernseher...



Da ich eh schon kurz vor dem Tiefschlaf war und MUSKELKATER hatte, habe ich mich nur noch auf das bettartige Schlafsofa geschmissen, während Barbara-Betsy einen Film für "uns" ausgesucht hat und David & Dolphin ins übernächste Kämmerchen verschwunden sind.



"Lord of the Rings", wunderbar. Der Film war doch soo doof als ich ihn letztes Jahr gesehen hatte, das ich wußte dabei gleich einschlafen zu können, hätte Betsy-Barbara mir nicht permanent das Ohr voll gequasselt. Um 9 war der Spuk dann vorbei und ich bin mit dem Bus nach Hause gefahren...



Alles in allem war es aber sehr, sehr interessant. Wenn Dolphin & Barbara auch gelegentlich etwas sehr anstrengend waren (vor lauter Freude über ihren letzten Uni-Tag, der ersten durchgemachten Nacht, einem neuen Boy-Friend für Dolphin & einen Ausländer zum quatschen für Mrs. "B"), hat es sich gelohnt. Ich könnte mir nicht vorstellen, mit den super netten "Office-Ladies" eine Nacht durchzumachen und in einem Movie-Hotel "abzusteigen". Vermutlich kenne die so etwas noch nicht ein mal. Das war sicherlich eine neue einzigartige Bereicherung in meinem chinesischem Alltag!


Rezept der Woche

Gewürzte Schweinerippchen



Zutaten:
500 g Schweinerippchen,
15 g Porree (In Stücken),
15 g Ingwerscheibe,
50 g Sojasoße,
5 g Reiswein,
3 Stücke Sternanis,
25 g Zucker,
25 g Essig,
5 g Salz,
eine Prise brauner Zucker,
500 g Erdnussöl

Zubereitung:
1. Die Rippchen waschen, zwischen den Knochen zerteilen und in 3,3 cm lange Stücke hacken. Für fünf Minuten in kaltes Wasser tauchen, gut abtropfen lassen und in eine Schüssel legen. Etwas Sojasoße darüber gießen und darin wenden. Nach 15 Minuten mit einem Tuch oder Küchenkrepp abtrocknen und stehen lassen.

2. Das Öl mit dem Zucker in einer Pfanne bei starker Flamme auf etwa 100 – 170 Grad erhitzen und die Rippchen solange darin braten, bis sie goldbraun sind. Abtropfen lassen und das Öl bis auf einen kleinen Rest abgießen.

3. Die Pfanne wieder erhitzen, den Ingwer, Porree, Rippchen und die anderen Zutaten hineingeben und unter ständigem Rühren braten. Die Hitze reduzieren und alles aufkochen lassen, bis die Sauce dick und zähflüssig wird und das Fleisch weich ist und sich von den Knochen löst.



Auch diese Woche gibt es wieder zwei neue nützliche Vokabeln:

Lektion #8




Der Mitarbeiter der Woche:

Der Mitarbeiter der Woche ist gleichzeitig mein Mitbewohner: Mark. Er hat sich bei Eagle College für mindestens ein Jahr verpflichtet, ist sich aber noch nicht sicher, ob er so lange dort bleiben will. Für ihn ist es die beste Art Chinesisch zu lernen: Er unterrichtet die Elementary Students und kann so im Unterricht vermutlich mehr sein chinesisch trainieren als die Schüler ihr Englisch.



Mark ist zum einem der perfekte „California-Amerikaner“, zu gleich aber auch ein schillerndes Beispiel für das Gegenteil! Sonst währ er vermutlich ja auch nicht hier... Er ist vermutlich der politisch interessierteste und best informierte Amerikaner den ich je kennen gelernt habe.

Nichts des so trotz hat er es hier „nicht leicht“: Als ich vor ein paar Tagen das Thema „New York Chinatown“ im Unterricht hatte habe ich abschließend gefragt: „In welche Stadt nach Amerika wollt ihr auswandern, bzw. gehen?“. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass so ungefähr 110% der Schüler in die USA gehen wollen, sei es um auszuwandern oder zumindest für ein Job-Angebot.

Dem entsprechend Überrascht war ich als ich zu hören bekam: „Nowhere! Never to the USA! We don‘t like them...“ Das hat mich natürlich neugierig gemacht! Ich wollte sie mit dem Angebot provozieren, „for free“ in die USA zu fliegen, „all expenses paid“. Aber auch dann wollten sie niemals dort hin... „Too dangerous, too dirty“. „The people are not nice“. „Woher wollt ihr das wissen, ihr wart doch noch nie dort...“ „We know! Wir wollen lieber nach Canada! Dort ist es sauberer, die Luft reiner und die Leute freundlicher...“



Auch auf die Frage hin warum alle „modernen“ chinesichen Städte eher wie eine US-Großstadt aussehen als eine asiatische bekam ich eine passende Antwort. „Everybody copies America, because it‘s modern“. Warum sie nicht eine moderne dänische, italienische oder französische Stadt kopieren würden die mindestens genau so modern sind hatten sie dann keine wirkliche Antwort mehr, außer „Chinese are stupid“ - „You are chinese! Are you stupid?“ - „Chinese are poor and stupid, they only copy everything without thinking...“

Und leider war dann auch schon der Unterricht rum... Bei solchen Themen ist es ohnehin schon schwer die Schüler zum freien Reden zu motivieren, am nächsten Tag an ein solche Thema anzuschließen klappt leider nie so richtig...




Der Lehrplan der letzten Woche
Diese Woche ist es ziemlich kunterbunt zugegangen. Es war die letzte Woche vor den Winterferien, die in Nord-Osten in der Regel vom 10. Januar bis 01. März dauern. Der Grund für so lange Ferien liegt hauptsächlich darin, dass es zu kalt ist um zur Schule zugehen, bzw. die Heizkosten zu hoch sind um die Gebäude entsprechend warm zu halten.

Da unsere chinesische Kollegin Ann vom Erdboden verschwunden ist -sie ist seit den vier freien Tagen über Weihnachten nicht mehr aufzufinden- mussten Mark und ich jetzt von Morgens um 08:00 bis Nachmittags 16:00 Unterrichten. Das ist der Horror schlecht hin...

Also was stand auf dem Lehrplan? Neben John Denver‘s „Take Me Home Country Roads“ gab es einen Audio-Beitrag über Will Smith, Michael Owens (ihr merkt ich werde hier noch zum Fußball-Spezi) und Kobe Bryant. Die Schüler mussten Fragen zum Text beantworten, fehlende Worte einsetzten und dergleichen.
Dann gab es einen sehr langen Artikel über New Yorks Chinatown, einen über chinesischen Hip-Hop made in Taiwan und Korea sowie ein paar Worksheets von John Lennon bis „ing“-Form.



Als Sahnehäubchen gab es dann den „Pre-Intermediate End of Level“ Test! Da konnte alle meine Schäfchen dann zeigen was sie nicht können... Wir haben es ihnen eingetrichtert. Vor allem was den Spelling-Test anging habe ich täglich die Vokabeln abgefragt in Form von Spielen, etc. Aber das Resultat war nicht besonders überraschend. Nach US-Maßstäben hätten sie 70% richtig haben müssen um den Test bestanden zu haben, da aber 3/4 weit davon entfernt waren, haben wir letztendlich nur noch den Prozentsatz auf den Test geschrieben ohne ein „bestanden“ oder „durchgefallen“. Der „Spelling-König“ Raymond hatte ganze 8 von 30 Vokabeln richtig geschrieben, der Durchschnitt hat 15 richtig. Nur einer hat 24 von 30 geschafft. Und das wo ich ihnen in der Woche vor dem Test es schon so einfach gemacht habe und ihnen eine Liste von 60 Vokabeln gegeben habe die sie besser können sollten...


* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *
W e t t e r b e r i c h t

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Das Fundstück der Woche

(Die Box in der die Kreide für die Tafel verkauft wird)


Leserbrief der Woche:


Seit der letzten Ausgabe sind keine Leserbriefe eingegangen...


Drucker freundliche Version

ChinaNews #15

ChinaNews #13

www.bilder-aus-china.de